Praktikumsbericht von Rebekka Epp (11.1. bis 26.2.2016)

Was verschlägt einen denn als Medizinstudentin zum Praktikum in den Deutschen Bundestag? Neben dem berühmten „Blick über den Tellerrand“ wollte ich in Berlin auch erleben, wie genau politische Entscheidungen getroffen werden – gerade im Hinblick auf die Entwicklungszusammenarbeit. Nach dem Abitur habe ich einen Freiwilligendienst in der Republik Kongo geleistet – seitdem treibt mich die Frage um, was die internationale Zusammenarbeit für mehr Gerechtigkeit in der Welt machen kann. Da Frau Dr. Lücking-Michel im zuständigen Ausschuss sitzt, habe ich mich bei ihr beworben und bin recht gespannt Anfang des Jahres zum zweimonatigen Praktikum angetreten.

Auch wenn man nicht Politikwissenschaften studiert und sich für Paragraphen und Akten wenig erwärmen kann – ein Praktikum im Berliner Büro ist ganz bestimmt nicht langweilig!

In den Sitzungswochen bleibt zwischen Arbeitsgruppen- und Ausschusssitzungen, Bürobesprechung und den vielen Vorträgen zu allen möglichen spannenden Themen kaum Zeit für Schreibtischarbeit. Auch abends werden Abgeordnete zu den verschiedensten Veranstaltungen in Ministerien, bei Verbänden oder Organisationen eingeladen. Und schon sitzt die Praktikantin zwischen lauter gestandenen Karrierefrauen und dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Dachcafé des Ministeriums zum Treffen der UN Women.

Allein die Möglichkeit in den weitläufigen Gebäuden rund um den Reichstag unterwegs zu sein und die hohe Promidichte in den Gängen würde schon genug Anreiz bieten, um sich für ein Praktikum zu entscheiden. Aber man kann mit ein bisschen Engagement und Neugier auch inhaltlich wahnsinnig viel mitnehmen.

Auch wenn natürlich jeder Abgeordnete sich auf seine Themen spezialisiert – es bleiben vielfältige Fragestellungen, zu denen recherchiert werden muss. Von der Rolle der Berufsausbildung in der Entwicklungszusammenarbeit bis zur Scheinselbstständigkeit – ich habe Einblick in die unterschiedlichsten Felder bekommen und vieles gelernt.

Gerade im Plenum merkt man deutlich, wo die Frontlinien zwischen den Parteien verlaufen – hier wird bisweilen auf Höflichkeit verzichtet, dazwischengerufen oder ausgebuht. Wenn sich zur namentlichen Abstimmung dann auch tatsächlich alle 600 Abgeordneten im Reichstag versammeln, herrscht im Hohen Haus fast schon Stimmung wie im Fußballstadion.

Aber auf der anderen Seite habe ich oft ernsthafte und sehr gut überlegte Entscheidungsprozesse in den Arbeitsgruppen miterleben können. Frau Lücking-Michel befragt zu schwierigen Themen auch externe Experten und erkundigt sich ganz genau, was ihre Bürger zu Hause in Bonn zu aktuellen Problemen denken. Vor allem aber arbeitet sie eng mit ihren Mitarbeitern zusammen und vertraut lieber auf gute Teamarbeit als auf starre Hierarchie.

Dass ich als Praktikantin so gut in dieses Team integriert wurde und trotzdem immer ermutigt wurde, zu allen möglichen Angeboten rund um den Deutschen Bundestag zu gehen, gab mir die Möglichkeit einen intensiven Einblick zu gewinnen und viele Facetten des Berliner Parlamentsleben mitzubekommen.

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