Praktikumsbericht von Stephanie Paul (12.1.2015 bis 6.3.2015)

„Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!“ Dass Politik alles andere als langweilig ist, zeigt nicht nur dieses allseits bekannte Zitat von Joschka Fischer aus dem Jahr 1984. Und obwohl die Zwischenrufe im Plenum in den letzten Jahren zumeist zivilisiertere Züge angenommen haben, sind die Debatten und Diskussionen kaum weniger spannend. Auch deshalb waren meine letzten zwei Monate von großer Vielseitigkeit geprägt.

Schon in der ersten Woche meines Praktikums im Büro der Bonner Bundestagsabgeordneten Claudia Lücking-Michel konnte ich die Regierungserklärung der Kanzlerin Angela Merkel zu den Anschlägen in Paris im Plenum verfolgen und nur eine Woche später unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck bei seiner Rede zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erleben. Auch die Diskussionen zwischen den Regierungsparteien und der Opposition, die die Vorstellungen des Bildungsberichts von Johanna Wanka und des Jahreswirtschaftsbericht von Sigmar Gabriel nach sich zogen, habe ich mit großem Interessen und dem gelegentlichen Schmunzeln verfolgen dürfen.

Eine Sitzungswoche im Deutschen Bundestag ist von Struktur, aber auch Hektik und einem gelegentlichen Durcheinander geprägt. Am Dienstag treffen sich die Arbeitsgruppen der einzelnen Fraktionen, um aktuelle Ausschussthemen zu besprechen und sich auf einen gemeinsamen Fraktionskurs zu einigen. Am Mittwoch kommen dann die Ausschüsse zusammen; in ihnen sind Vertretern aus allen Parteien – CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und Die Linken – vertreten. Es werden Anträge besprochen und neue politische Linien abgesteckt. Besonders interessant ist es, wenn die Ausschüsse externe Experten einladen. So sprach die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Prof. Dr. Christiane Woopen zu den Mitgliedern des Bildungsausschusses, auch der Präsident des Bundesinstitut für Berufsbildung Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser und der Leopoldina-Präsident Jörg Hacker haben ihre Erfahrungen und Anmerkungen mit dem Ausschuss geteilt.

Von Beginn an bekam ich die Möglichkeit, Frau Lücking-Michel bei einem breiten Spektrum an Terminen zu begleiten: sei es bei den Arbeitsgruppen- und Ausschusssitzungen, bei Abendveranstaltungen wie dem Neujahrsempfang der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder ihren Treffen mit Besuchergruppen. Auf diese Weise habe ich einen umfangreichen Einblick in die Arbeit einer Bundestagsabgeordneten bekommen. Aber auch in Sachen politische Kommunikation lernte ich in den vergangen Monaten durch die enge Zusammenarbeit mit dem Pressesprecher und Büroleiter, Benedikt Wolbeck, viel dazu.

In den sitzungsfreien Wochen ist man weitestgehend von der allgemeinen Hektik befreit, doch geht es in dieser Zeit in Berlin darum, inhaltlich die nächste Sitzungswoche vorzubereiten und Bürgeranfragen und –briefe zu beantworten. Frau Lücking-Michel selbst ist in dieser Zeit in ihrem Wahlkreis in Bonn und geht dort zahlreichen Terminen nach.

Hautnah mitzuerleben, wie Politik gemacht wird, war eine bereichernde Erfahrung, die ich jedem, der Politik-affin ist, ans Herz legen kann.