Der Verein Offene Tür Dürenstraße feiert sein 50-Jähriges

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Ausnahmsweise hing am Freitag an der Tür der Begegnungsstätte an der Dürenstraße ein Schild mit dem Hinweis: Geschlossene Gesellschaft. Der Verein Offene Tür Dürenstraße feierte in seinem Domizil sein Jubiläum. Und die Gästeliste der Festveranstaltung zeigte vor allem eines: die hervorragende Vernetzung einer Einrichtung, die stolz auf 50 Jahre ehrenamtliche Arbeit zurückblickte, dabei aber nie die Zukunft aus dem Auge verlor.

Edith Koischwitz, Vorsitzende des Vereins, benötigte fast 20 Minuten, um alle Ehrengäste zu begrüßen, unter ihnen Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa, Bürgermeister Horst Naaß, Kommunalpolitiker, ehemalige Bundesminister sowie Vertreter von Stiftungen, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und den Kirchen. Besondere Würdigung fand dabei Irmgard Hauser. Sie hatte vor 50 Jahren mit acht weiteren Frauen den Verein gegründet, um eine Begegnungsstätte zur Betreuung älterer Menschen zu bauen. „Sie hatten nicht nur eine Vision, sondern Sie haben sie auch mit Leben erfüllt“, sagte Koischwitz und ernannte das einzige noch lebende Gründungsmitglied zum Ehrenmitglied des Vereins.

Damals bestand die Zielgruppe aus Menschen, die zwei Weltkriege erlebt hatten, viele alleinstehende Frauen, Menschen aus auseinandergefallenen Familien. „Es gab viele alte Menschen, die nicht wussten wohin“, sagte Koischwitz. Viele Hindernisse, viele Zweifler galt es zu überzeugen. „Wie haben Sie bloß damals die vielen Spender überzeugen können?“, fragte Koischwitz. Immerhin: Bundeskanzler Konrad Adenauer spendete 5000 Mark aus seiner Privatschatulle, „und das war damals ein kleines Vermögen“.

Bis zur Einweihung des Hauses im April 1967, zu der auch Bundespräsidenten-Gattin Wilhelmine Lübke und Bundestagspräsidenten-Gattin Brigitte Gerstenmaier kamen, waren noch knapp vier Jahre ins Land gezogen, in denen fleißig und erfolgreich Geld gesammelt wurde. So wurde der größte Teil der Finanzierung von rund 300 000 Mark aus Spenden finanziert. Apropos Spenden: Karin Robinet, Vorsitzende des Kuratoriums Stiftung Bonner Altenhilfe, überbrachte gestern 1000 Euro als Geburtstagsgeschenk und lobte: „Sie haben nie aufgegeben.“ Angesichts vieler Höhen und Tiefen in 50 Jahren eine Einschätzung, die viele Gäste teilten.

Doch mit Geld allein – so wichtig es beispielsweise heute ist, den Sanierungsstau in dem Haus zwischen Düren- und Rüngsdorfer Straße zu bewältigen – ist so ein Haus natürlich nicht zu betreiben. Was vor allem zählt, ist das ehrenamtliche Engagement von 19 Freiwilligen, die für ihr Wirken großen Applaus ernteten. „Wir müssen darauf achten, unser Angebot zu hegen und zu pflegen“, sagte Koischwitz, die in ihrer Rede auch auf den demografischen Wandel einging und forderte: „Wir müssen auch weiterhin auf den Generationenvertrag pochen.“ Oder in den Worten von Karin Robinet: „Wir brauchen künftig noch mehr familienähnliche Netzwerke, weil der Staat überfordert ist.“

Den Festvortrag zum Thema „Die Bedeutung der Begegnungsstätten – gestern, heute, morgen“ hielt der stellvertretende Vorsitzende Christian Gold. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Streichquartett des Amos-Comenius-Gymnasiums unter der Leitung von Christiane Koban-Müller.

(Artikel Bonner General-Anzeiger vom 14.12.2013)